Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie
der HPV – Infektion des weiblichen Genitale
E.R. Weissenbacher
A. Schneider
L. Gissmann
G. Gross
J. Heinrich
P. Hillemanns
M. Link
U. Petry
P. Schneede
H. Spitzbart
aus der
Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie
in der Gynäkologie und Geburtshilfe der Deutschen Gesellschaft für
Gynäkologie und Geburtshilfe
(AGII der DGGG)
European Society for Infectious Diseases in Obstetrics and Gynaecology
(ESIDOG)
International Infectious Disease Society in Obstetrics and Gynecology
- Europe
(I-IDSOG-EUROPE)
In Zusammenarbeit mit
- Deutsche STD-Gesellschaft (DSTDG)
- Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU)
- AG Zervixpathologie und Kolposkopie einer Sektion der DGGG
Vorgesehene Gültigkeit: 01.03.2003
1. Infektionsablauf
Der Häufigkeitsgipfel für nachweisbare HPV Infektionen liegt
im Alter zwischen 20 und 25 Jahren. Die kumulative Inzidenz ermittelt durch
HPV DNA Nachweis beträgt bei jungen Frauen, die nach ihrem sexuellen
Debüt über einen Zeitraum von mehreren Jahren beobachtet werden,
bis zu 50 % in Abhängigkeit vom Sexualverhalten. Von den HR HPV positiven
Frauen entwickeln 5-10 % zytologische Auffälligkeiten. Die Prävalenz
nachweisbarer HPV-Infektionen nimmt mit zunehmendem Alter ab. Bei 80 %
der HPV Infizierten ist nach einem Zeitraum von ca. 12 Monaten molekularbiologisch
HPV nicht mehr nachweisbar. Nur bei 20 % wird Persistenz oder Progredienz
beobachtet. Besteht eine HPV-Infektion im unteren Genitaltrakt über
mehrere Jahre fort, kann sich eine Krebsvorstufe (Dysplasie, intraepitheliale
Neoplasie) entwickeln. Allerdings führen weniger als 1% der persistierenden
HR HPV Infektionen nach einem Intervall von durchschnittlich 15 Jahren
zum Karzinom. Da nur wenige der Infizierten an Gebärmutterhalskrebs
erkranken, sind neben HPV noch andere Kofaktoren von Bedeutung. Neben Immunsuppression,
HIV Infektion, Rauchen sowie Chlamydieninfektion scheinen vor allem genetische
Faktoren wichtig, die es dem Immunsystem nicht erlauben, die HPV Infektion
zu unterdrücken oder zu eliminieren. Es gibt indirekte Hinweise dafür,
dass eine genitale HPV Infektion lebenslang persistieren kann und bei Immunschwäche
eine latente Infektion reaktiviert wird (z.B. bei HIV Infektion).
2. Klinisches Bild
Im Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe finden wir folgende
Krankheitsbilder:
- Condylomata acuminata sich im Vulva-, Vaginal- und Portiobereich
sowie extragenital im Analbereich; selten ist der Befall der Urethra
(1-3%).
- Praekanzerosen der Cervix uteri (Dysplasien, CIN I-III) bis hin zum
Zervixkarzinom.
- Vulväre intraepitheliale Neoplasien (VIN, Bowenoide Papulose,
M. Bowen) bis hin zum Vulvakarzinom und verruköses Karzinom (Buschke-Löwenstein).
- Perianale (PAIN) und anale intraepitheliale Neoplasien (AIN) bis
hin zum invasiven Karzinom.
- Larynxpapillome bei Neugeborenen und Kleinkindern.
2.1. Condylomata acuminata (C.a.)
Wegen der häufig langen Inkubationszeit (3 Wochen bis 8 Monate)
ist die Bestimmung des genauen Infektionszeitpunktes meist nicht möglich.
Bei etwa 1% aller Frauen finden sich Kondylome, die makroskopisch erkennbar
sind.
Condylomata acuminata werden durch Inspektion (Vulva, Vagina und Zervix)
sowie durch Palpation (Rektum, Anus) diagnostiziert. Zum Ausschluss eines
vaginalen oder zervikalen Kondylombefalls ist immer eine Spekulumuntersuchung
notwendig. Eine Proktoskopie ist bei intraanalen und rektalen C.a. indiziert.
Durch Betupfen mit verdünnter Essigsäure (3-5%ig) lassen sich
die verdächtigen Bezirke weißlich hervorheben. Eine Lues oder
HIV-Infektion ist serologisch auszuschließen. Eine Untersuchung des
Sexualpartners ist anzuraten. Bei perianalem Befund sind Condylomata lata
bei Lues (Stadium II), die bowenoide Papulose, der Morbus Bowen und die
Mariske inspektorisch, notfalls histologisch auszuschließen; bei
intraanalem Befall gilt das für Analpapillen und Rektumpolypen.
Condylomata acuminata während der Schwangerschaft sind in sehr
seltenen Fällen mit dem späteren Auftreten von Larynxpapillomen
beim Kind assoziiert. Ein gewisses Risiko für die Übertragung
auf die Neugeborenen scheint für Erstgebärende zu bestehen, die
jünger als 20 Jahre sind. Eine zwingende Indikation zur primären
Sectio ist nur dann gegeben, wenn die Geburtswege durch extensive Kondylome
verlegt sind. Die Behandlung von Kondylomen in der Schwangerschaft geschieht
am besten durch TCA, Laservaporisation oder Kryotherapie. Der optimale
Zeitpunkt ist nicht bekannt; es erscheint sinnvoll, die Behandlung außerhalb
der Frühgeburtlichkeit durchzuführen: Superinfektionen der Wundflächen
könnten zu einer aufsteigenden Infektion mit nachfolgender vorzeitiger
Wehentätigkeit oder Blasensprung führen.
2.2. Intraepitheliale Neoplasien
Die intraepithelialen Neoplasien der Vulva (VIN) sind meist gering
erhaben und multizentrisch. Ähnliche Veränderungen im Bereich
der Scheide (VAIN) sind zwar selten, werden aber leicht übersehen
(Schiller´sche Jodprobe).
Die intraepithelialen Neoplasien im Bereich der Portio uteri sind nur
durch kolposkopische Untersuchungen exakt lokalisierbar.
Dokumentation: Zeichnung, Foto, Video, Computerpräsentation
(Siehe auch Leitlinien AG-CPC der DGGG)
3. Diagnostik
3.1. Zytologie
Die Zytologie ist keine geeignete Methode zum Nachweis von HPV. Koilozyten
und Dyskeratozyten sind nur spezifische Marker für eine floride HPV
Infektion, während die Mehrzahl der HPV Infektionen damit nicht nachweisbar
ist. Die Treffsicherheit der Zytologie bezüglich HPV-Infektionen alleine
wird heute mit nur 15% angegeben. (14)
3.2. Kolposkopie
Nativ, Grünfilter, Essigsäure, Jod
(Siehe auch Leitlinien der AG-CPC der DGGG)
3.3. Der HPV-Nachweis im Labor
Die Methoden zum HPV-Nachweis sind unterschiedlich in ihrer Empfindlichkeit.
Für die Verläßlichkeit der Ergebnisse sind die Erfahrungen
des Labors von entscheidender Bedeutung (insbesondere bei der PCR-Methode).
Die klassischen Methoden der viralen Diagnostik wie Elektronenmikroskopie,
Zellkultur und einige immunologische Methoden sind zum HPV-Nachweis nicht
geeignet. In Zellkulturen lässt sich HPV nicht anzüchten. Die
etablierte Methode für den Virusnachweis in der Routine ist die Hybridisierung
der Nukleinsäuren - also:
- Hybrid Capture microplate assay (HCII)
- Polymerase-Kettenreaktion =PCR
Der von der FDA zugelassene Hybrid-Capture-II-Test (Fa. Digene, USA)
weist bereits 1pg HPV DNA/ml nach, seine Sensitivität und Spezifität
sind mit der PCR nahezu vergleichbar. Vorteile dieser Methode sind die
relativ einfache Handhabung und die gute Reproduzierbarkeit von Ergebnissen,
die diesen Test zu dem am besten standardisierten HPV-Nachweisverfahren
machen. Eine Identifikation des exakten HPV-Typs ist nicht möglich,
sondern es werden nur "low-risk" (6, 11, 42, 43, 44) und "high-risk" (16,
18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58, 59, 68) HPV-Genotyp-Gruppen nachgewiesen.
Bei der PCR erfolgt zunächst eine Amplifikation der Virus-DNA.
In entsprechend spezialisierten Laboratorien lässt sich dadurch eine
Sensitivität erreichen, die den Hybrid Capture übertrifft. Allerdings
sind die Befundabweichungen zwischen verschiedenen Laboratorien teils erheblich.
Für zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen ist der HPV-DNA Nachweis
mittels PCR in einer darauf spezialisierten Einrichtung Methode der Wahl.
3.4. Indikationen zum HPV Nachweis
Der klinische Einsatz des HPV Nachweises wurde bisher für folgende
Indikationen evaluiert:
1. Frauen im Rahmen des Krebsfrüherkennungs-Screenings zusätzlich
zur Zytologie,
2. Patientinnen, mit unklaren zytologischen Befunden zur Triage (Pap
Gruppe IIW und III),
3. Patientinnen, mit leichtgradigen und mittelgradigen Präkanzerosen
zur Vorhersage von Regression, Persistenz oder Progression (Pap Gruppe
IIID)
4. Patientinnen nach Konisation wegen Dysplasien.
Ad 1: Der HPV-Nachweis kann potentiell für primäres Screening
zusätzlich oder alternativ zum zytologischen Abstrich eingesetzt werden.
Der HR HPV Nachweis ist empfindlicher als die zytologische Untersuchung,
aber weniger spezifisch. Ein negatives Ergebnis für HR HPV zeigt an,
dass das Vorliegen einer schwergradigen Präkanzerose oder eines Karzinoms
extrem unwahrscheinlich ist. Der Nutzen des HPV-Nachweises für das
Screening muss noch an Hand von Kosten-Nutzenanalysen evaluiert werden.
Ad 2: Die am meisten untersuchte Fragestellung beim HPV-Nachweis ist
die Triage von Frauen mit leichtgradigen Veränderungen (Pap Klasse
IIW oder IIK, ASCUS, AGUS und CIN I). Obwohl die Mehrheit der Frauen mit
diesen zytologischen Diagnosen bei der histologischen Evaluierung Normalbefunde
oder Läsionen mit hoher Regressionspotenz zeigen (CIN I), kann bei
5-20 % aller Frauen mit diesen zytologischen Diagnosen histologisch CIN
II oder CIN III nachgewiesen werden. Der Wert des HPV Nachweises für
die Triage von Frauen mit (Pap Klasse IIW oder IIK) auf CIN II/III scheint
in allen bisherigen Studien einer Wiederholung der zytologischen Untersuchung
überlegen. Auch bei dieser Indikation muß für das deutsche
Gesundheitssystem noch ein positiver Kosten-Nutzen-Effekt nachgewiesen
werden.
Ad 3: Bis zu 70% der leichtgradigen Dysplasien oder CIN I regredieren
in einem Zeitraum von 5 Jahren. Ein wiederholt negativer Nachweis von HR
HPV mittels PCR zeigt an, dass die verursachte Präkanzerose sich mit
großer Wahrscheinlichkeit zurückbilden wird.
Ad 4: Ca. 10-15 % aller Frauen erfahren nach Entfernung von CIN eine
Persistenz oder ein Rezidiv. Die Inzidenz von invasivem Zervixkarzinom
bei Frauen, bei denen eine CIN III durch Konisation behandelt wurde, liegt
bei 1 pro 1000 pro Jahr. Alle bisher durchgeführten Studien zeigen
übereinstimmend, dass bei persistierenden oder rezidivierenden CIN
der Nachweis von high risk HPV DNA der zytologischen Untersuchung überlegen
ist.
3.5. Indikationen zur Kolposkopie
Jede Frau mit nachgewiesener HPV Infektion (z.B. Condylomata acuminata)
unabhängig von Nachweisverfahren und Lokalisation, einem auffälligen
zytologischen Abstrich und/oder der Diagnose einer intraepithelialen Neoplasie
des unteren Genitaltraktes sollte kolposkopiert werden.
Empfohlen wird die kolposkopische Untersuchung, wo auch falls notwendig
gezielte Gewebeentnahmen durchgeführt werden.
Da die bis zu 20% falsch-negativen Zellabstriche überwiegend auf
eine fehlerhafte Abstrichtechnik zurück-geführt werden, werden
eine allgemeine kolposkopische Musteruntersuchung und die gezielte Entnahme
von Zellmaterial vom Punctum maximum der Epithelatypie empfohlen. Bei suspekten
Zytologiebefunden ist der kolposkopisch dirigierte Zellabstrich eine Qualitätsforderung.
(vgl. Münchner Nomenklatur II)
3.6. Indikation zur weiterführenden Diagnostik
Der Partner einer Patientin mit Genitalwarzen sollte klinisch untersucht
und bei nachweisbaren sichtbaren Warzen oder HPV assoziierten Läsionen
entsprechend behandelt werden (z.B. Abklärung PAIN). Bei rezidivierenden
CIN, VIN, VAIN oder PIN wird auch eine Partneruntersuchung empfohlen.
Auf die weitere Diagnostik zum Ausschluß anderer sexuell übertragener
Infektionen wird nachdrücklich hingewiesen.
(Siehe auch Leitlinien der AGII der DGGG)
4. Therapie
4.1. Aktuelle Richtlinien für VIN
VIN I und VIN II Oberflächendestruktion (Laservaporisation) unter
kolposkopischer Sicht nach vorheriger histologischer Abklärung
VIN III chirurgische Exzision im Gesunden
ausgedehnte Areale: Laservaporisation nach histologischem Ausschluss
eines invasiven Geschehens, Skinning Vulvektomie, einfache Vulvektomie
4.2. Aktuelle Richtlinien für CIN
1. Oberflächendestruktion:
Methode: CO2-Laser, kolposkopisch mit Mikromanipulator
gelenkt
Indikationen: benigne Befunde (z.B. Papillom), CIN I oder CIN
II ektozervikal gelegen, vollständig einsehbar, nach vorausgegangener
Biopsie, kooperative Patientin
CIN II-III (HGSIL) individuell nur durch Experten durchführbar
mit multiplen Biopsien
2. Therapie durch Resektion:
HF-Chirurgie Schlingenkonisation (loop-excision, large-loop-excision
of the transformation zone, (LLETZ)
Indikation: persistierende CIN II-III (HGSIL)
Konisation (die therapeutische Konisation orientiert sich an der Histologie
des Biopsiematerials)
Methode: Schlingen- oder Laserkonisation, Skalpell
Indikationen: CIN II (endozervikal), CIN III, Adenocarcinoma
in situ
CIN I und CIN II persistierend mit endozervikaler
Ausdehnung
(Siehe auch Leitlinien der AG-CPC der DGGG)
4.3. Partnerbehandlung
Ein spezifischer positiver Effekt auf die Ansteckungs- oder Reinfektionsgefahr
durch Kondomverwendung ist bei HPV assoziierten Erkrankungen nicht bewiesen.
Bis andere STIs ausgeschlossen oder behandelt sind, sollte die Verwendung
von Kondomen empfohlen werden.
4.4. Evidenzbasierte, empfehlenswerte Therapieverfahren (für
anogenitale Warzen)
Evidenzstufen (I bis IV) und Wertigkeit der Empfehlungen (A bis C)
entsprechen international zur Qualitätssicherung üblichen Literaturbewertungen
(siehe auch Appendix)
Ärztlich verordnete Selbsttheraphie
Podophyllotoxin (0,15%-Creme, 0,5%-Lösung);
(Ib, A)
Imiquimod-Creme (5%-Creme);
(Ib, A)
(Interferon beta Gel (0,1 Mio. I.E./g) adjuvant)
(11) |
Ärztliche durchgeführte Therapie
Trichloressigsäure (11)
Kryotherapie (11)
Elektrochirurgie (Ib, A) / Laser (IIb, B)
Scherenschlag / Kürettage (11) |
4.5. Ärztlich verordnete Selbsttherapie
4.5.1. Podophyllotoxin 0,5 % Lösung, Podophyllotoxin 0,15 %
Creme
Podophyllotoxin 0,5 % Lösung wird vom Patienten mittels eines
Wattetupfers, Podophyllotoxin 0,15 % Creme mit dem Finger zweimal täglich
über drei Tage auf die genitalen Warzen aufgetragen. Anschließend
vier Tage Pause. Wiederholung bis zu maximal vier Zyklen. Maximal therapierbare
Warzenfläche: 10 cm2, maximale Tagesdosis: 0,5 ml.
Podophyllotoxin 0,15 % Creme ist zur Therapie externer genitaler Warzen
bei Frauen und Männern zugelassen. Podophyllotoxin 0,5 % Lösung
ist nur bei Männern zugelassen.
4.5.2. Imiquimod % Creme (Aldara®)
Imiquimod ist das erste "lokale" Immunstimulans auf dem Markt. Lokaltherapie
der Genitalwarzen dreimal pro Woche nachts bis zu maximal 16 Wochen. Es
wird empfohlen, das behandelte Areal 6 bis 10 Stunden später mit Wasser
abzuwaschen. Imiquimod hat bei primär erfolgreichem Ansprechen der
Therapie in Studien sehr niedrige Rezidivraten (16%) im weiteren Krankheitsverlauf
erkennen lassen.
4.5.3. Lokale adjuvante Interferon beta-Gel-Therapie nach Abtragung
genitoanaler Warzen
Die Lokaltherapie nach Abtragung externer genitoanaler Warzen mit dem
Elektrokauter oder Laser besteht im fünfmaligen Auftragen von Inteferon
beta Gel (z.B. Fiblaferon® Gel: 0,1 Mio. I.E./g Gel) pro Tag für
die Dauer von vier Wochen. Maximal therapierbare Warzenfläche <
10 cm2
Die Selbsttherapie mit den genannten Medikamenten ist generell bei
neu aufgetretenen, wenig verhornten Läsionen zu empfehlen, bei verhornten
Läsionen ist häufiger mit Therapieversagen und auf Grund unzureichender
Eindringtiefe der Substanzen mit Lokalrezidiven zu rechnen. Die Substanzen
sind bisher nur für das äußere Genitale zugelassen.
Podophyllotoxin, Imiquimod und Interferon beta sind während der
Schwangerschaft kontraindiziert und nicht für die Schleimhäute
sowie nicht bei Patienten mit Immunsuppression zugelassen.
4.6. Ärztliche durchgeführte Therapie
4.6.1. Trichloressigsäure (bis zu 85%)
Die Applikation von Trichloressigsäure führt zu Zellnekrosen.
Trichloressigsäure wird vom Arzt mit einem Applikator auf die Warzen
aufgebracht. Sehr gute Resultate werden bei kleinen, unverhornten Condylomata
acuminata im Schleimhautbereich erzielt. Wiederholung der Therapie im wöchentlichen
Abstand.
Nachteil: Brennen und Schmerzen
Vorteil: Abheilung ohne Narbenbildung. Sichere Anwendung
während der Schwangerschaft. Nur in kleinsten Mengen einsetzen. Bei
überdosiertem Einsatz ist die Neutralisation mit Natriumcarbonat nötig.
Eventuell kann das umgebende Epithel durch Fettsalbe abgedeckt werden.
4.6.2. Kryotherapie
Kälteanwendung mit flüssigem Stickstoff im offenen Verfahren
(Sprayverfahren bzw. Wattetupfer) oder als Kontaktkryotherapie ((geschlossenes
Verfahren (Kryoprobe mit CO2, N2O, N2)). Wiederholung der Therapie wöchentlich
bis zweiwöchentlich.
Vorteil: geringe Kosten, einfache Handhabung, kaum Langzeitkomplikationen
Nachteil: initial lokale Komplikationen, Rezidive sind häufig
(bis zu 75%)
4.6.3. Chirurgische Verfahren
Entfernung mittels Scherenschlag oder scharfem Löffel, Kürettage,
Elektrokauter oder CO2-Laser / Nd-Yag-Laser. Chirurgische Verfahren können
als primäre Therapie angewendet werden. Lokale Anästhesie
ist immer erforderlich. Bei ausgedehnten und rezidivierenden v.a. beetförmigen
Warzen besteht die Indikation zur Therapie mit Elektrokauter oder Laser.
Vorteil: sofortiger Behandlungseffekt
Nachteil: Rauchentwicklung der CO2-Laser- und Elektrokautertherapie.
Diese könnte ein Sicherheitsproblem wegen möglicher infektionsfähiger
Viruspartikel im Rauch (Nachweis viraler DNA) darstellen. Tragen von speziellen
Gesichtsmasken, Schutzbrille und Rauchabsaugung sind vorgeschrieben.
4.7. Empfehlenswerte Therapie genitaler Warzen bei spezieller Lokalisation
4.7.1. Analkanal
Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff, Trichloressigsäure
(nur bei kleinen Condylomata acuminata) oder chirurgische Verfahren (CO2-/Nd-YAG-Laser
oder Elektrokauter).
4.7.2. Vagina
Kryotherapie (nur flüssiger Stickstoff, Kryoprobe kontraindiziert),
Trichloressigsäure oder chirurgische Verfahren (CO2-Laser oder Elektrokauter).
4.7.3. Cervix uteri
CO2-Laser
(Bezüglich Urethra siehe Leitlinie der DGU)
5. Impfung
Sowohl die bedeutende Rolle humanpathogener Papillomviren bei der Entstehung
von Karzinomen als auch die mit der Infektion verbundene Morbidität
der Patientinnen lässt die Suche nach geeigneten prophylaktischen
und therapeutischen Impfstoffen sinnvoll erscheinen. Für die Immunprophylaxe
werden DNA-freie Viruspartikel (VLP) entwickelt, die bereits im Tierversuch
erprobt wurden. Da VLPs hochspezifisch wirken, müssen verschiedene
HPV Typen in eine effiziente Prophylaxe eingeschlossen werden. Zur Therapie
bereits bestehender Läsionen können Impfstoffe verwendet werden,
die das Immunsystem zur Abstoßung HPV-positiver Zellen anregen. Da
wahrscheinlich auch diese Reaktion typenspezifisch verläuft, wird
eine HPV-Diagnostik in der zu behandelnden Läsion notwendig sein (durch
PCR basierte Verfahren). Derzeit sind verschiedene Impfstoffe in der präklinischen
oder klinischen Entwicklung; es wird jedoch noch einige Jahre dauern bis
der erste HPV-Impfstoff auf dem Markt ist.
Literatur
1. IDSOG Task Team Report: Management of Genital Human Papillomavirus
(HPV) Infection. Ch. Livengood, U.B. Hoyme. 2000.
2. European course on HPV associated pathology: guidelines for primary
care physicians for the diagnosis and management of anogenital warts. G.
von Krogh, C.f.N. Lacey, G. Gross, R. Barasso, A. Schneider. Sexual transmitted
Infections 2000; 76; 162 - 168.
3. Diagnostik und Therapie von Genitalerkrankungen durch Humane Papillomviren
(HPV). P. Schneede, A. Hofstetter. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft
für Urologie 2001
4. Leitlinie zum Krankheitsbild der Feigwarzen in der anorektalen Region.
Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 2000.
5. Condylomata acuminata und andere HPV -assoziierte Krankheitsbilder
des Genitale und der Harnröhre. Leitlinien der Deutschen STD-Gesellschaft
2000.
6. Prevention of genital HPV Infection and Sequelae: Report of an external
consultants' Meeting. CDC Division of STD Prevention 12/1999.
7. Bedeutung des Nachweises von humanen Papillomviren (HPV) für
die Vorsorge. A. Schneider, H. Hoyer, M. Dürst. Deutsches Ärzteblatt
2001.
8. Diagnostische und therapeutische Standards bei intraepithelialen
Neoplasien und frühinvasiven Karzinomen des Genitaltraktes der Frau.
AG-CPC der DGGG 2000.
9. Comparison of three management strategies for patients with a typical
squamous cells of undetermined significance: Baseline results from a randomized
trial. D. Solomon, M. Schiffmann, R. Tarone (for the ALTS Group), J. Nat.
Cancer Inst., Vol. 93, No. 4, February 21, 2001, 293-299.
10. Safety and Immunogenicity trial in adult volunteers of a human
Papillomavirus 16 L1 virus-like particle vaccine. C.D. Harro et al, J.
Nat. Cancer Inst., Vol. 93, No. 4, February 21, 2001, 284-292.
11. Infektionen der Frau mit gentalem humanem Papillomvirus. A. Schneider,
D. Wagner, Dt Ärztebl 1993; 90; A 730-A 732.
12. Empfehlungen für die Diagnose und Therapie von HPV-Infektionen
und Präkanzerosen des unteren Genitaltraktes. A. Schneider, D. Wagner,
Frauenarzt, 1994; 35: 1057-1065.
13. Förderkreis "Papillomvirusinfektionen bei Mensch und Tier":
Vorgehen bei pathologischem Zervixabstrich. A. Schneider, Frauenarzt 1995;
36: 704-707.
14. persönliche Mitteilung Ch. Thaler.
Appendix
Evidenzbewertung (Stufen I-IV) und Graduierung (A-C) der Leitlinien-relevanten
Therapieempfehlungen:
Für die Leitlinien wurden weitgehend Literaturquellen mit Evidenzgrad
A und Evidenzbewertung Stufe Ib herangezogen, d.h. Evidenz, die auf kontrolliert
randomisierten Studien beruht. Metaanalysen kontrolliert randomisierter
Studien (Grad A, Stufe Ia) waren nicht verfügbar. Die Bewertung der
Lasertherapie war lediglich auf Grund von Studien der Evidenzstufe IIa
(Grad B), d.h. qualifiziert entworfenen wissenschaftlichen Studien ohne
Randomisation möglich. Qualifiziert entworfene, quasi-experimentelle
Studie (IIb, B), nicht experimentelle, beschreibende Studien (Vergleichsstudien,
Korrelationsstudien und Fallstudien) (Grad B, Stufe III) und Expertenmeinungen
(Grad C, Stufe IV) wurden grundsätzlich nicht berücksichtigt.
Abkürzungen
AG-CPC Arbeitsgemeinschaft Zervixpathologie und Zytologie der DGGG
AGII Arbeitsgemeinschaft Infektiologie und Infektionsimmunologie
der DGGG
AIN Anale intraepitheliale Neoplasie
AGUS Atypical glandular cells of undertermined significance
ASCUS Atypical squamous cells of undetermined significance
CIN Cervikale intraepitheliale Neoplasie
DGGG Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
DNA Desoxyribonucleid acid
HC II Hybrid Capture II
HPV Human Papilloma Virus
HR HPV High risk HPV
HGSIL High-grade squamous intraepithelial lesion
LLETZ Large-loop-excision of the transformation zone
LR HPV Low risk HPV
LGSIL Low-grade squamous intraepithelial lesion
PCR Polymerase chain reaction
PIN Penile intraepitheliale Neoplasie
TCA Trichloressigsäure
VAIN Vaginale intraepitheliale Neoplasie
VIN Vaginale intraepitheliale Neoplasie
VLP Viruslike particles